Greiz/Thüringen – Am vergangenen Wochenende fand erneut das so genannte „Rudolf Heß Gedenkturnier“ im Vogtland statt. Rund 100 Neonazis aus Bayern, Thüringen und Sachsen traten bereits zum zehnten Mal zu Ehren des Hitler-Stellvertreters gegeneinander an.
Auf der Landstraße zwischen Tschirma und Lehnamühle in der Nähe von Greiz herrschte vergangenen Samstag reges Treiben. Die Polizei hatte auf der kleinen Straße zwei Kontrollpunkte errichtet und durchsuchte PKWs in denen sie Neonazis vermutete. Während die ersten Fahrzeugkolonnen aus Bayern, Sachsen und Thüringen bereits kontrolliert wurden, sammelten sich etwa 30 vor allem jüngere Neonazis an einem Schleusungspunkt an einer Tankstelle in Greiz, um den Weg zum Austragungsort des sogenannten „Rudolf Heß- Gedenkturniers“ zu erfahren.
Nachdem die Neonazis ihre Autos auf einem durch Absperrband markierten Acker abgestellt hatten, liefen sie – mit großen Sporttaschen bepackt – in Richtung des provisorischen Fußballplatzes.
Als „Privatveranstaltung“ deklariert
Gegen Mittag hatten sich rund 100 Teilnehmer auf dem privaten Austragungsgelände – auf dem neben eigens aufgebauten Toren auch ein großes Zelt und ein Bierwagen standen – eingefunden, die meisten in einschlägiger Szenekleidung. Bereits im vergangenen Jahr fand das als „Privatveranstaltung“ deklarierte und vom thüringischen Neonazi Thomas Meisser angemeldete Turnier auf diesem Gelände statt, damals allerdings nur mit 50 Personen. Auch in diesem Jahr soll der ehemalige Greizer NPD-Kreisvorsitzende Meisser für das vogtländische Szene-Event verantwortlich gezeichnet haben.
Als Veranstalter erhöht Meisser seine Reputation innerhalb der Kameradschaften, ob er auch finanziell davon profitiert, ist unklar. Im sächsischen Netzschkau betreibt er den Laden „Nordlicht“, in dem sich Neonazis aus dem Vogtland mit Textilien und Musik versorgen. Durch eine Kreditübertragung aus dem Familienkreis in Höhe von 30 000 Euro konnte er den Laden 2009 eröffnen, doch mittlerweile sollen die Geschäfte nicht mehr so gut laufen.
Anbindung junger Mitläufer
Das Turnier zu Ehren des Hitler-Stellvertreters Heß fand bereits zum zehnten Mal statt. In den ersten Jahren konnte das braune Fußballfest noch auf öffentlichen Sportplätzen durchgeführt werden, doch mittlerweile haben sich die Veranstalter auf private Grundstücke zurückgezogen.
Durch diesen Rückzug ins Private können die Neonazis fast ungestört ihren Heß-Kult ausleben und verdeutlichen zudem, über welche Infrastrukturen sie in der Region verfügen. Darüber hinaus stärkt es die bundeslandübergreifende Vernetzung der Kameradschaften und dient der Anbindung junger erlebnisorientierter Mitläufer an organisierte Neonazi-Strukturen.
Ein Beitrag für den “Blick nach Rechts“